Heute 

Diesen Text habe ich Ende 2008 geschrieben. Danach ist viel passiert: ich war noch mal in einer Klinik, bin von meinen Eltern ausgezogen, habe begonnen zu studieren, das Studium abgebrochen und inzwischen mit einem anderen Fach (Psychologie) angefangen, dass mir deutlich mehr liegt und wirklich Spaß macht. Ich hatte gute und schlechte Phasen, habe tolle, aber auch sehr traurige Erfahrungen gemacht. Inzwischen habe ich eine neue Website, die auf dem aktuellen Stand ist. Wer wissen möchte, wie es mir seid dem Abi ergangen ist, schaut am besten einfach hier nach ;-)

 

Nach 9 Wochen wurde ich entlassen, weil ich unbedingt zu Schulanfang wieder zu Hause sein wollte. Schließlich begannen im neuen Schuljahr die Abi-Vorbereitungen...

Gerade am Anfang waren meine Depressionen weiterhin sehr stark. Ich saß oft völlig verzweifelt zu Hause und ließ mich nur von dem Gedanken, wie schlimm der Tod meines Großvaters für meine Familie war, vom Selbstmord abhalten. Gerade mein Vater probierte mir zu helfen, konnte aber nicht besonders viel ausrichten. Gleichzeitig wurde in der Schule der Druck immer höher. Ich hatte das Gefühl, dass alles nur noch anstrengend und ich völlig überfordert war. Es war schon so anstrengend, jeden Morgen aufzustehen, den Tag irgendwie rumzukriegen und dabei nicht allzu sehr zu zeigen, wie schlecht es mir ging. Dazu noch Schulstress – das war einfach zu viel!!!

In den Herbstferien begann ich, Antidepressiva zu nehmen. Wirklich geholfen haben sie mir nicht, aber meine depressiven Phasen wurden zumindest ein kleines bisschen besser, zumal auch meine Durchblutungsstörungen in dem Rahmen, in dem es draußen kälter wurde, besser wurden. Ich weinte nicht mehr ganz so viel, die Gedanken allerdings blieben die gleichen: Verzweiflung über das Leben; das Gefühl, damit völlig überfordert zu sein; sehr sehr geringes Selbstwertgefühl bis hin zum Selbsthass; Selbstmordgedanken...

Inzwischen nehme ich die Antidepressiva nicht mehr (habe davon zugenommen und meine Schlafstörungen wurden schlimmer), aber meine Stimmung ist ungefähr gleich geblieben. Meine Gedanken sind die gleichen, und meistens habe ich das Gefühl, mein Leben nie in den Griff kriegen zu können. Außerdem ist mir diesen Winter wieder die ganze Zeit kalt, egal, wie warm ich mich anziehe. Meine Hände sind nur noch Eisklumpen und ich habe das Gefühl, von innen heraus zu erfrieren... Völlig abgesehen von Ess- und Durchblutungsstörungen fühle ich mich absolut unfähig, ganz normal zu leben. Schon allein wenn ich mit anderen Leuten zusammen bin: ich fühle mich dauernd komisch, peinlich, einfach nur anders und falsch, und habe das Gefühl, dass niemand mich wirklich mag. Und mir fehlt die Hoffnung, dass ich je ganz normal wie alle anderen sein werde. Außerdem kommt mir alles verdammt anstrengend vor. Selbst wenn ich, was selten genug ist, mal gefragt werde, ob ich mit jemandem was machen möchte, habe ich eigentlich gar keine Lust dazu, weil ich es so anstrengend finde und einfach keinen Spaß dabei haben kann...

Mit der Magersucht habe ich mich im Moment ganz gut arrangiert: ich esse zwar, zähle dabei aber ziemlich genau Kalorien und esse nur Sachen, die ich selbst gekocht habe oder auf denen die genaue Kalorienangabe steht. Außerdem habe ich meine Essenszeiten, an die ich mich sehr genau halte, und esse sehr langsam. Andererseits gibt es fast nichts mehr, was ich mir völlig verbiete (also z.B. Kuchen). Ich gucke halt lediglich, dass ich es so in meinen Essensplan einbaue, dass ich am Ende des Tages meine Kalorienzahl nicht überschreite. Von daher habe ich momentan das Gefühl, mit der Essstörung ganz gut leben zu können, und mir fehlt die Motivation, sie zu bekämpfen. Zum einen fehlt mir die Kraft dazu, und zum anderen denke ich oft, dass ich die Magersucht brauche, um mit dem Leben überhaupt fertig zu werden...

Auch die Durchblutungsstörung ist in den letzten Wochen aushaltbarer geworden. 


Inzwischen habe ich meine schriftlichen Abitur-Arbeiten hinter mir. Im März wird die Schule aufhören, und dann habe ich erst mal frei. Ich weiß, dass ich studieren möchte, aber im Moment bin ich mir noch nicht sicher, was. Meine Eltern hätten gerne, dass ich große Karriere mache, aber ich möchte keinen Beruf, bei dem man rund um die Uhr arbeitet, immer unter Druck steht, immer Leistung erbringen muss. Das hat mir bisher nicht gut getan, und ich denke nicht, dass ich damit jemals glücklich werden könnte. Mir macht Nachhilfe geben viel Spaß, sodass ich gerne etwas in die Richtung machen würde. Aber Lehrerin möchte ich nicht werden, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass ich keine Chance hätte, mich gegen die Schüler durchzusetzen, gerade wenn sie in der Pubertät sind. Von daher steht für mich bisher nur fest, dass ich etwas in die Richtung Unterrichten oder Soziales studieren will, aber um genaueres herauszufinden werde ich wohl nach der Schule noch ein paar Praktika machen müssen.


Was mein Privatleben angeht, sind meine Pläne recht unklar. Ich würde gerne heiraten, wahrscheinlich auch Kinder kriegen, aber ich bin nicht besonders zuversichtlich, dass ich jemals einen Freund finden werde, geschweigedenn einen, der bereit ist, mich zu heiraten. Von daher muss ich mich einfach überraschen lassen, was die Zukunft bringen wird...


Dieser Text gibt den Stand von Ende Januar 2008 wieder. Wer wissen möchte, wie es mir seitdem geht, kann meinen Blog besuchen: http://cryingangel1989.beeplog.de/ Hier werde ich alle paar Wochen kurz beschreiben, was Neues in meinem Leben passiert ist...

 

 

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